„Wo ist deine Frau Sara?“

Pfarrei

Liebe Gemeinde!

Haben Sie gerne Besuch? Bewirten Sie gerne Gäste? Das macht viel Arbeit – vor allem, wenn die Gäste plötzlich auftauchen.

Wenn wir an Gäste denken, dann stellen wir uns Männer und Frauen und Kinder vor, die gemeinsam am Tisch sitzen. Das war bei den Nomaden im alten Orient anders – und ist es vielerorts bis heute. Die Frauen schaffen im Hintergrund. Sichtbare Gastfreundschaft ist Männersache.

Solch einen patriarchalen Film können wir uns von Abraham und seinen geheimnisvollen Gästen bei Mamre machen. Der Knecht soll das Kalb schlachten und zubereiten, und Abrahams Frau Sara soll Fladenbrot backen.
Abraham bewirtet selber die drei Männer; nur er spricht mit ihnen. Aber dann passiert etwas Unerhörtes. Sie fragen: „Wo ist deine Frau Sara?“

Das ist gegen die Spielregeln. Abraham antwortet kurz und knapp. Wo solle sie schon sein? Natürlich im Zelt, unsichtbar für den fremden Besuch.

Diese Erzählung von Abraham du seinen drei Gästen ist sehr bekannt; sie ist auf der rechten Seite unseres Altars in der Augustinus Kirche abgebildet. Gäste aufnehmen, ist ein Abenteuer. Nicht nur, weil sie Arbeit machen. Sondern: Gäste sind geheimnisvoll. Sie kommen von außen, aus einer anderen Welt – selbst wenn sie nur aus dem Nachbarort stammen. Sie kennen und halten nicht immer unsere internen Spielregeln. Sie stellen Fragen. Sie lassen sich nicht vereinnahmen. Sie haben ihre Meinung. Sie ticken in vielem anders, als wir erwarten. Sie regen sich über vieles nicht auf, worüber wir uns aufregen. Sie können das Gewohnte stören. Und das ist gut so!

Ich wünsche uns allen immer wieder Gäste und Offenheit für die störende Botschaft, die sie mitbringen. Damit wir nicht unter uns bleiben. Damit wir reich werden.

Ihr Pastor Mirco Quin 

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