Zeuge, das heißt in der griechischen Ursprache des Neuen Testaments „martys“, Märtyrer

Liebe Gemeinde!

Nikolaus Groß war nicht nur Arbeiterführer und Widerstandskämpfer, sondern auch Zeuge des Glaubens an Jesus Christus und sein Evangelium. Zeuge, das heißt in der griechischen Ursprache des Neuen Testaments „martys“, Märtyrer.

Das Leben und Sterben von Groß zeigen uns: Es gab damals nicht nur verblendete Nachläufer und feige Mitläufer. Es gab auch das andere Deutschland.

Es gab mutige Christen, die ihr Haupt nicht gebeugt haben und sich nicht verbiegen

ließen, die sich an den Grundsatz gehalten haben, den wir in der Lesung

hören: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29).

Es ist nicht immer leicht, sich zu Jesus und zu Gott zu bekennen. Bequemlichkeit oder die Furcht vor den Menschen macht die Christen manchmal schweigsam.
Der Druck aufgrund mancher Fragen des gesellschaftlichen Lebens ist stark, da sind Kompromisse verlockend. Ich denke dabei konkret an Fragen nach der Würde des Lebens und dem Recht zum Leben, nach Krieg und Gewalt, nach Fremdenfeindlichkeit, aber auch an die neuen Idole, die Menschen geradezu vergöttern: Konsum, Geld, Prestige, Macht, Einfluss, Sexappeal. Wer sich hier nicht dem Zeitgeist oder der Meinung der Bekannten und Freunde beugt, der riskiert es, verlacht oder verspottet oder gar ausgegrenzt zu werden.
Nikolaus Groß ist für seine christliche Überzeugung eingestanden. Er hat anders
gedacht, anders geredet, anders gelebt als die angepasste Mehrheit.
Wir brauchen auch heute solche Zeugen. Nur sie können überzeugen – gerade in der verbreiteten Glaubwürdigkeitskrise des Christentums in unseren Breiten.
Es sind nicht diejenigen, die immer wieder Kompromisse schließen oder den
Rückzieher machen, es sind die mutigen Zeugen, die für die Zukunft des Christentums und für den Aufbau einer christlich-menschlichen Kultur in unserem
Land stehen!
Ihr Pastor Mirco Quint.

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